16.07.2004 Hof Buchwald Nidderau
Unter Sternen staunen 2004
Sommermilchstraße
Eine Nacht auf Hof Buchwald
FNP Printausgabe vom 19.07.2004
Unter Sternen staunen
Von Anne-Rose Dostalek
Nidderau. Den «Großen Wagen» erkennen noch viele am Sternenhimmel, aber Leier und Kasseopeia, Spiralnebel und
Kugelsternhaufen? Wer den Weg hinauf auf das Hofgut Buchwald in Nidderau nicht scheute, konnte in einer warmen
Neumondnacht in die Tiefen des Universums eintauchen und astronomischen Objekte am Julihimmel betrachten.
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Kugelsternhaufen im Herkules - M13
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Als gegen zehn Uhr abends die ersten Besucher eintrafen, um beim Nidderauer Kultursommer «Unter Sternen zu staunen», war es erst einmal der weite Blick in das Umland, der staunen ließ. Im Norden war der Glauberg gut zu erkennen, im Osten grüßten die Türme das Großkrotzenburger Kraftwerkes, und im Süden wären die Taunushänge zu sehen gewesen, wenn nicht das Maislabyrinth den Blick versperrt hätte.
Die Mitglieder von GUFORC («Verein zur Förderung der Astronomie, Raumfahrt und Grenzwissenschaften») bauten ihre großen Teleskope auf, und Eberhard Hetzel richtete es auf den Planeten Jupiter, der gerade noch tief im Südwesten zwischen Baumspitzen zu sehen war. Eine Besucherin drückte das Auge auf das Okular und staunte: In vierzigfacher Vergrößerung war Jupiter als kleine Scheibe zu erkennen, dazu als stecknagelgroße Lichtpunkte die vier ihn umkreisenden Monde. Jupiter sei im Juli als einziger Planet unseres Sonnensystems noch zu sehen, erklärte Hetzel.
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Ringnebel in der Leier - M57
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Dann sammelte Bruder Bernadin vom Franziskanerkloster Kreuzburg eine Gruppe von Sternenguckern um sich. Der Strahl seiner
Taschenlampe wanderte nach oben, und die Männer, Frauen und Kinder legten den Kopf in den Nacken. Der «Große Wagen» mit
seiner Deichsel war relativ leicht zu finden, aber schwieriger wurde es mit den schwachen Lichtpunkten des darüber stehenden
«Kleinen Wagen» . Als weit auseinander gezogenes «W» war das Sternbild Kasseopeia zu erkennen, und hell leuchtete als kleines
Karo das Sternbild «Leier» mit seinem Hauptstern Wega.
Die Griechen haben vor 2000 Jahren den Sternengruppen ihre Namen gegeben und sie nach Figuren aus ihrer Mythologie benannt.
So ist die «Leier» oder griechisch «Lyra» das Seiteninstrument von Orpheus, dem Sohn Apollos, der in die Totenwelt hinunterstieg,
um seine Gattin Eurydike in die Welt der Lebenden zurück zu holen.
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Galxienpaar M81 und M82 im Großen Wagen
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Der Schein der Taschenlampe wanderte von Sternbild zu Sternbild. «Faszinierend», sagte eine Frau, und es klang wie ein Seufzer.
Das Auge braucht Zeit, um sich an das Sehen im Dunkeln zu gewöhnen. «Bis zu 30 Minuten dauert es, bis die Pupille weit geöffnet
ist und das Licht der Sterne wahrnimmt, die wie unsere Sonne selbstleuchtende Gaskugeln sind», erklärte Bruder Bernadin. 6000
Sterne sind mit bloßem Auge auf unserer nördlichen Halbkugel zu sehen, über 324 000 Sterne mit Weitwinkelaufnahmen und Vergrößerung. Mindestens 100 Milliarden von Sternen gehören zur unserer Galaxis, der «Milchstraße», die sich als schwach leuchtender Streifen über den Himmel zieht.
Eberhard Hetzel hatte inzwischen sein Teleskop auf einen dunklen Fleck der Milchstraße gerichtet. Ein erstauntes «Ooh» entfuhr
einem Jungen, der durch das Okular schaute, denn im vermeintlich leeren Raum funkelten und glitzerten unzählige Sterne.
Mit bloßem Auge waren sie nicht zu sehen. Die Menschen zogen von Teleskop zu Teleskop, manche hatten sich in wärmende Decken
gehüllt, stockdunkel war es, und nur die Sterne leuchteten.
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Die Andromedagalaxien M31, M32 und M110
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Ein anderer Hobby-Astronom hatte sein Teleskop auf den mit bloßem Auge nicht sichtbaren Kugelsternhaufen «M 13» im Sternbild
Herkules gerichtet, andere schauten auf den Planetarischen Ringnebel «M 57» und Nachbargalaxien, die Millionen von Lichtjahren
entfernt sind.
Aber die Sterne waren nicht die einzigen Himmelskörper am Firmament. Pünktlich um halb zwölf tauchte als großer leuchtender
Lichtpunkt die Internationale Raumstation auf, Satelliten eilten vorbei und Flugzeuge kreuzten am Himmel. «Wir konzentrieren
uns auf das, was von Gott gemacht ist», sagte Bruder Bernadin gelassen und ließ sich von den bewegten Objekten nicht stören.
Und wie bestellt, fielen zwei Sternschnuppen vom Himmel, so schnell, dass keine Zeit für einen Wunsch blieb.
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