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Sonnenfinternis 2006
Bildserie der totalen Sonnenfinsternis am 29.03.2006
Da man die Sonnenfinsternis am 29.03.2006 von Deutschland aus nur partiell also sichelförmig und nicht total sehen konnte, entschlossen wir uns in die Türkei zu fliegen. Auch die besseren Wetteraussichten in der Türkei waren ein wichtiges Entscheidungskriterium. Da der Kernschatten, also der Bereich wo man die Totalität erleben kann, quer über die Türkei verlief, spielte auch bei der genauen Ortswahl das Wetter oder vielmehr die Prognosen und Jahrzehnte lange Aufzeichnungen eine entscheidende Rolle.
Am 28.03.06 überprüften wir unsere Ausrüstung und erholten uns von der langen Reise. Immerhin waren wir mit der Anreise nach Frankfurt und Aufenthalt in Istanbul fast 14 Stunden unterwegs. Abends gab es dann noch einen Vortrag zur Sonnenfinsternis und eine ausführliche Erklärung zum Verlauf des kommenden Tages von der Reiseleitung.
29.03.2006 Stunde der Wahrheit. Heute sollte es sich zeigen ob das Wetter mitspielte oder nicht. Schon kurz nach dem Aufstehen strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Das sah ja schon mal gut aus. Jetzt noch schnell einen Happen essen und danach ging es in den Bus. Wie bereits angekündigt fuhren wir zur Beobachtung raus aus der Stadt auf eine Hochebene etwa 60 km nordöstlich von Konya. Hier wartete ein kleiner Hügel nahe der Ortschaft Akörenkisla in über 1000 Meter Höhe auf uns. Da waren wir also, auf einem kleinen Hügel mitten in einer steppenähnlichen Landschaft fast ohne Bewuchs. Kein Baum und kein Gebäude störte die Sicht auf den Himmel und die Sonne. Dennoch versuchte jeder den besten Platz zu finden und so stürmten 300 Sonnenbegeisterte den Hügel hinauf und verteilten sich gleichmäßig in der Landschaft.
Jetzt waren wir soweit, der Himmel war blau und nichts zwischen uns und der Sonne, was die Sicht auf unser Zentralgestirn gestört hätte. Als es endlich losging waren alle aus dem Häuschen und jeder knipste wie wild drauf los. Schon bald sah unsere Sonne aus, als hätte jemand ein Stück abgebissen. Wer eine Optik hatte und genau hinsah, konnte erkennen dass die Konturen vom Mond nicht glatt, sondern voller Zacken von den Kratern und Hügeln sind.
Durch den Feldstecher und das ETX-90 konnten wir drei schöne Sonnenflecken erkennen und im H-Alpha Spektrum schossen die Fackeln wunderschön aus der schmalen Sichel. Gleich war es soweit, der Himmel hüllte sich immer mehr in einen dämmerungsartigen Zustand, und am Boden sah alles irgendwie farblos aus. Die Augen hatten kaum Zeit, sich an die neuen Lichtverhältnisse zu gewöhnen und verstärkten diese zusätzlich.
Plötzlich kippte die Stimmung um und auf einmal hatte man Lust davon zu rennen, denn über den Nachbarhügel kam der Schatten des Mondes mit fast 3000 km/h auf uns zugerast. Da der Schatten von Horizont zu Horizont reichte, hatte man das Gefühl, die Welt geht unter.
Danach gibt der Mond nach und nach die Sicht auf die Sonne wieder frei und man hat noch einmal die Möglichkeit alle partiellen Phasen zu bewundern und auf Film oder Foto zu verewigen.
Aber nicht nur das seltene Paar aus Sonne und Mond zieht einen jeden in seinen Bann, auch die Umgebung hat einiges zu bieten. Normalerweise tauchen kurz vor der Totalität die sogenannten "fliegenden Schatten" auf. Sie werden von den Luftturbulenzen hervorgerufen, welche für einen kurzen Moment durch die extrem kontrastreiche Bestrahlung der schmalen Sonnensichel einen Schatten am Boden werfen. Diese Schatten werden normalerweise von dem starken Streulicht der Sonne aufgehellt und nicht sichtbar. Leider sahen wir diesmal keine "fliegenden Schatten", da etwas Dunst in der Luft lag welcher eine scharfe kontrastreiche Bestrahlung verhinderte. Weiterhin werden bei einer totalen Sofi plötzlich helle Sterne und Planeten sichtbar. Wir sahen auf einmal die Venus am Himmel erstrahlen, als sei es kurz nach Sonnenuntergang. Wenn es richtig klar ist kann man natürlich auch den Merkur und helle Sterne am Himmel sehen. Aber die meisten Menschen bewundern in den wenigen Minuten lieber das eindrucksvolle Schattenspiel zwischen Sonne und Mond. Immerhin hatten wir nur dreieinhalb Minuten Zeit um dieses seltene Ereignis zu bewundern, bevor der Mond die Sonne wieder frei gab.
Zur Dokumentation der gesamten Sonnenfinsternis setzten wir 4 Kameras ein. Zwei Stück im Weißlicht, eine im H-Alpha Spektrum und eine ohne Filter. Wobei wir kurz vor der Totalität bei einer Kamera den Weißlichtfilter entfernten und eine andere vorübergehend mit einem kurzen Objektiv (28-50mm) ausstatteten um eventuelle Begleiterscheinungen wie die "Fliegenden Schatten" auf zu nehmen. Zum Beobachten setzten wir zeitweise ein Meade ETX-90 mit 26mm Okular und Weißlichtfilter von AstroProdukte-Nidderau ein. Im H-Alpha Spektrum setzten wir ein Solarmax-60 mit 10 mm Blockfilter von Coronado ein. Zwischendurch immer wieder einen Blick durch den Feldstecher, welcher natürlich auch mit Sonnenfilter bestückt war und zum Vergleich durch die Sofi-Brille. Zum Beobachten im Weißlicht eignet sich am besten ein Feldstecher oder eine Optik mit max. 1000 mm Brennweite auf einem stabilen Stativ. Auch im H-Alpha Bereich sollte man eine nicht zu starke Optik mit mindestens 10 mm großem Blockfilter oder einer guten Nachführung einsetzen. Ansonsten muss man die Einstellung zu oft korrigieren, da die Sonne dauernd aus dem Sichtfeld läuft. Bei einem Blockfilter unter 10 mm hilft es auch nicht, wenn man ein schwach vergrößerndes Okular benutzt. Ein Coronado PST sollte deshalb unbedingt mit eigener Nachführung oder aufgesattelt eingesetzt werden.
In der Partiellen Phase darf man nie ohne Sonnenfilter fotografieren und schon gar nicht durch eine Optik oder Sucher der Kamera in die Sonne blicken. Bei der Totalität sollte man dann allerdings alle Filter entfernen, auch die üblichen UV oder IR-Filter blocken noch einiges ab. Wer eine digitale Kamera sein eigen nennt, kann natürlich ein paar Probeschüsse machen und die Belichtungszeit austesten. Beim Farbnegativ- oder Diafilm empfiehlt es sich 200-400 ASA zu verwenden und die 2. kleinste Blende einzusetzen. Die Belichtungszeit sollte man nicht fest vorgeben, sonder lieber eine Serie schießen. Während der partiellen Phase sollte man den Belichtungsmesser fragen und dann 2-4 Stufen unterbelichten. Sagt der Belichtungsmesser also 1/125s belichte ich mit 1/1000s oder 1/2000s. Kurz vor beginn der Totalität sollte man die Kamera noch mal genau ausrichten und dann den Filter entfernen ohne durch das Objektiv oder den Sucher zu schauen. Denn auch die schmale Sonnensichel kann schwere Schäden hinterlassen. Beim Diamantring beginnend sollte man mit einem 400 ASA Film und f/8 bei einer 1/500s beginnen und die Belichtungszeit bei jedem Bild um eine Stufe verlängern. Wenn man ein Stativ oder eine Auflage hat kann man das Spiel locker bis zu 1/60s mit Nachführung bis zu mehreren Sekunden ausdehnen. Danach geht das ganze wieder rückwärts und wenn der Diamantring das zweite Mal erscheint sollte man wieder am Ausgangspunkt, also bei 1/500s angekommen sein.
Bei leichter Bewölkung kann man in aller Regel dennoch gute Aufnahmen machen, sollte aber deutlich längere Belichtungszeiten wählen. Euer Bebo
http://www.astronomische-reisen.de/ http://www.eclipse-reisen.de/ http://www.polarlicht-reisen.de/ http://www.ozkaymak.com.tr/eng/konya_hotels.htm |
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