Foto: C. Münch

Mit dieser Detail- aufnahme möchte ich die projezierte Aufnahmetechnik erklären. Das Teleskop ist wie zu einem normalen Beobachtungs- einsatz mit einem Winkelprisma und einem 16mm LV-Okular ausgestattet. Über das Okular habe ich den Kameraadapter gesetzt und an diesem dann die Kamera mit dem T-2-Ring befestigt. Hier nutze ich bei der Fotografie das Vergrößerungs- potential des Teleskops voll aus. Alle Bilder werden nun 62-fach vergrößert auf die Filmebene projeziert.
Was braucht man nun an Ausrüstung?

Z
um Anfang wird nicht mehr als eine Kleinbildspiegelreflexkamera mit mechanischem Langzeitverschluß und ein Normal- bzw. Weitwinkelobjektiv sowie ein Stativ benötigt. Ein arretierbarer Drahtauslöser darf ebenfalls nicht fehlen. Da andere Verschlußzeiten eher selten verwendet werden, genügt oftmals ein älteres Modell. Es muss nicht immer die neueste High-Tech aus dem Fachhandel sein. Die einzige Person, die sich über diese teure Investition freut, ist der Händler selber. Gerade diese alten Modelle eignen sich zum Basteln oder Umbauen und Verbessern und sind nicht selten zu einem sehr günstigen Preis auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Hier findet man sehr häufig alte Gehäuse mit M42-Anschluss oder Pentax K-Reihen. Viele der alten Modelle weisen eine recht harte Verschlußfuktion auf, die deutliche Erschütterungen verursacht, so dass es vorkommen kann dass Sterne zu einem Verwackelungsstrich werden. Hier sollte man sich eine Pappe zu Hilfe nehmen, die vor das Objektiv gehalten und erst nach etwa einer Sekunde nach dem Auslösen weggezogen wird. Mit dieser Methode hat man mechanische Verwackelungen verhindert.

Objektiven mit fester Brennweite sollte man bevorzugen, da diese meist eine höhere Lichtstärke und Schärfe aufweisen als Zoomobjektive. Ein Schiebezoom hat zudem den weiteren Nachteil, wenn es im 90 Gradwinkel in den Zenit gerichtet wird, dass sich die Scharfstellung verändert, weil das Zoomobjektiv zu leichtgängig arbeitet, insbesondere Einhandschiebezooms. Auch auf die sehr teuren Normalobjektive wie 1,2/50mm kann man getrost verzichten. Sie sind zwar sehr lichtstark müssen aber meisten auf 2,8 abgeblendet werden, damit auch in den Bildrändern eine gewisse Randschärfe erzielt wird. Bei 50mm-Objektiven reicht eine Anfangsblende von 1,8 völlig aus. Im Weitwinkelbereich sollten Brennweiten von 28mm nicht unterschritten werden, da sonst runde Bilder entstehen die wenig darstellen. Für den Telebereich genügen Brennweiten von 85mm bis 200mm zum Anfang. Objektive mit längeren Brennweiten sind wieder sehr teuer und haben oft einen Öffnungs- bzw. Farbfehler bei Sternabbildungen. Sehr gute Bildergebnisse liefern die wiederum auch sehr teuren ED-Objektive von Nikon. Erwähnenswert sind auch die noch teureren APO-Objektive von SIGMA.

Zu den Objektiven möchte ich noch kurz ein Beispiel anbringen: Ein APO 800mm / 5,6 EX ist ein Supertele mit 800mm Brennweite bei Anfangsblende 5,6. APO besagt, das es sich hierbei um ein apochromatisches Objektiv handelt, welches Farbuntreue weitgehendst vermeidet. Diese Technik wird auch im Bereich der Linsenteleskope (Refraktor) eingesetzt. Dort spricht man von Fraunhofer-Achromat. Das beschriebene APO wird mir einem Listenpreis von 15.149,-- DM angegeben. (Preis ist von SIGMA Stand 11/1999). Alternativ könnte man auch ein Spiegelteleobjektiv mit 600mm Brennweite und einer Festblende 8 wählen. Auch dieses Objektiv hat seinen Preis, der mit 1.099,-- DM zu Buche schlägt (gleiche Preisliste w. o.). Man sollte sich schon überlegen ob sich die Anschaffung solch teurer Objektive lohnt. Dies muss man auch im Verhältnis zur Häufigkeit der Nutzung überlegen.

Denn hier stellt sich die Frage: Kaufe ich mir ein teures Objektiv oder gleich ein lichtstarkes Teleskop? Was möchte ich überhaupt fotografieren? Will ich mehr Sternfeldaufnahmen machen oder auch mal einen offenen Haufen auflösen oder Nebelregionen detailliert aufnehmen? Wenn diese Fragen überwiegend mit ja beantwortet werden sollte ein Teleskop die richtige Wahl darstellen. Es dient zum Beobachten und als gigantisches Teleobjektiv mit einer Lichtstärke die unter normalen Objektiven meist zu Preisen von Kleinwagen angeboten werden. Ich selber stand vor der gleichen Frage und habe mich für ein weitaus preiswerteres Teleskop entschieden, welches rege Verwendung findet.

Claus Münch

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